JADAM Microbial Solution (JMS): praktische Anleitung
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Die JADAM Microbial Solution (JMS) ist ein mikrobielles Präparat (Bodenaktivator) zur massiven Vermehrung einheimischer Mikroorganismen. Sie dient dazu, die Biodiversität im Boden wiederherzustellen, Nährstoffe verfügbar zu machen und die Vitalität der Pflanzen von der Wurzel bis zum Blatt zu stärken.
- Hauptfunktion: Biologische Bodenbelebung und Wurzelaktivator; siedelt nützliche Mikroorganismen (auch in tieferen, sauerstoffarmen Bodenschichten) an.
- Vorteile: Extrem kostengünstig (keine Melasse/Strom nötig), einfachste Herstellung, nutzt lokal angepasste Mikroben („Indigenous Microorganisms“).
- Inhaltsstoffe: Wasser (Regen- oder weiches Leitungswasser), Walderde (als Impfquelle), gekochte Kartoffeln (als Kohlenhydratquelle) und Meersalz (Mineralien).
- Faustformel (5L Ansatz): 1 mittlere Kartoffel (gekocht & zerdrückt), 1–2 Prisen Meersalz, eine Handvoll Walderde (im Beutel) und 5L Wasser.
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Anwendung & Dosierung: Gießen (Bepflanzt): 1:1 bis 1:200 verdünnt mit Wasser.
- Gießen (Unbepflanzt): Pur oder 1:1 zur Bodenaktivierung.
- Sprühen: Pur bis 1:1000 (als Blattdüngung/Pflanzenschutz).
- Tipp: Achte auf die Temperatur! Je wärmer (max. 31 Grad) es ist, desto schneller erreicht die Lösung ihren „Peak“ (Blasenbildung). Sobald der Schaumring wieder aufbricht, ist der perfekte Zeitpunkt zum Ausbringen.
Einleitung:
Während Methoden wie Komposttee und Indigenous Microorganisms (IMO) vielen Growern und Gärtnern bekannt sind, bietet die JADAM Microbial Solution (JMS) eine noch einfachere und kostengünstigere Alternative zur Vermehrung nützlicher Mikroorganismen. Mit minimalem Aufwand und geringen Kosten kann praktisch jeder JMS herstellen – und damit seinen eigenen Boden aktivieren.
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Inhaltsverzeichnis
- Was ist JMS?
- Vorteile von JMS
- Der Unterschied
- Materialienliste
- Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Der „Erntezeitpunkt“ (Peak erkennen)
- Anwendung von JMS
- JMS verstehen lernen
- Tipps zu JMS
- Fazit
- FAQ - meist gestelle Fragen
1. Was ist JMS?
JMS nutzt Mikroorganismen aus dem Wald oder der unmittelbaren Umgebung (Mikroklima), welche mit Wasser und gekochten (meist) Kartoffeln vermischt werden. Die Kartoffeln liefern Kohlenhydrate und dienen als Futter für Mikroorganismen. Ein Gramm Walderde enthält etwa 2 bis 10 Milliarden Mikroorganismen. In der Lösung verdoppeln sich Bakterien alle 20 Minuten, Pilze alle 1 bis 3 Stunden. Das fertige JMS enthält dadurch eine extrem hohe Konzentration an Mikroorganismen, die Nährstoffe umwandeln, Pflanzen stärken und sogar Schädlinge wie Trauermücken unter Druck setzen können.

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Neben Komposttee und IMO bietet JMS somit eine effektive Methode und solide Basis, den Boden ohne teure Zusätze wie Effektive Mikroorganismen oder MicroRoots zu revitalisieren, das Wurzelwachstum zu verbessern und Nährstoffe schneller verfügbar zu machen.
2. Vorteile

Im Vergleich zu klassischen „Living Soil“-Inputs ist JMS:
- günstig (Verzicht auf Zuckerquellen wie z. B. Melasse)
- einfach herzustellen (kein Bedarf an extra Luftpumpen)
- überall herzustellen (unabhängig vom Ort – z. B. am Feld, im Gewächshaus usw.)
- biodynamisch (sehr aktive, konzentrierte mikrobielle Lösung)
- multifunktional (zum Gießen und Sprühen geeignet)

3. Der entscheidende Unterschied
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Komposttee und IMO setzen vor allem auf aerobe Mikroorganismen. Diese leben hauptsächlich in den oberen wenigen Zentimetern des Bodens (oft nur bis ca. 10 cm Tiefe) und sind auf Sauerstoff angewiesen: Fehlt Sauerstoff, sterben viele dieser Mikroben schnell ab. Genau deshalb funktionieren solche Präparate besonders gut auf Blattoberflächen oder in der sauerstoffreichen Oberbodenzone – tiefer im Boden verlieren sie ihren Nutzen.

Wenn man sich jedoch die ältesten Bäume der Welt anschaut, fällt auf: Ihre Wurzeln reichen tief in den Boden. Dort beginnt die anaerobe Zone, die zwar (noch) weniger Mikroorganismen beherbergt, aber für die langfristige Versorgung und Stabilität von Pflanzen entscheidend ist. Genau hier setzt JADAM an. JMS sollte so tief wie möglich in den Boden eingebracht werden, damit die Wurzeln beim Vordringen in diese Bereiche mit den dort angesiedelten Mikroorganismen eine Symbiose eingehen können. Das kann dazu beitragen, dass Mineralien, Nährstoffe und sogar Wasser (aus tieferen Erdschichten) effizienter aufgenommen werden. Würde man in dieser Tiefe stattdessen Komposttee einsetzen, hätte das kaum Effekt – die Mikroben würden dort schlicht nicht überleben.
4. Materialienliste

- Wasser (frisches Regenwasser, abgestandenes Osmosewasser oder Leitungswasser)
- Walderde (vorzugsweise aus Laub- oder Mischwäldern) oder hochwertiger Kompost
- Kohlenhydrate (z. B. gekochte Bio-Kartoffeln, Reis oder Nudeln etc)
- Ein Beutel (z. B. Socke, Strumpfhose oder Wäschesäckchen)
- Ein Gewicht (Stein o. Ä.) und ein Stab zum Befestigen
- Ein Behälter
- Optional: wasserlösliche Mineralien → Meersalz oder Steinsalz (kein Jodsalz)
Exakte pro L Angaben nach JADAM:
- 4 g Kartoffel
- 1 g Meersalz
- 1 g Walderde
Faustformel: Pro 5 Liter Ausgangslösung benötigt man 1 kleine bis mittlere Kartoffel und etwa halb bis genauso viel Walderde wie Kartoffel. Also 1:1 oder 2:1. Zusätzlich 1-2 Prisen Meer-/Steinsalz.
Wir arbeiten lieber mit der Faustformel und Augenmaß, weil wir die Erfahrung gemacht haben: Nach Gefühl funktioniert es genauso gut wie nach exakten Mengen. Der Aufwand fürs genaue Abmessen ist am Ende häufig größer als die Herstellung selbst.
Das Bild verdeutlicht das Ergebnis bei der Verwendung verschiedener Kohlenhydratquellen. Oben (schwarzer Eimer) wurde klassisch zerdrückte Kartoffel verwendet, links unten (weißer Eimer) wurde Kloswasser genutzt und rechts unten (gelber Eimer) wurde Nudelwasser verwendet.
👉 Mehr dazu im Blog: Pott vs Plott
5. Schritt-für-Schritt Anleitung
Schritt 1
Gib in den vorgesehenen Behälter die vorab gemixten/zerdrückten Kartoffeln, das Meersalz und das Wasser.
Schritt 2
Befülle den Beutel mit Walderde und lege das Gewicht mit hinein.
Schritt 3
Binde ihn zu, befestige ihn anschließend am Stab. Nun wird der Beutel so hingehängt, dass er komplett mit Wasser bedeckt ist, den Boden aber nicht berührt.
Schritt 4
Massiere den Inhalt des Beutels vorsichtig im Wasser aus und rühre bei Bedarf kurz um.
Schritt 5
Lass die Mischung 24 bis 72 Stunden bei ca. 22–24 °C (mindestens 19 °C) stehen. Ist das Wasser kälter, empfiehlt sich ein Aquariumheizstab.
Nach einigen Stunden bilden sich Blasen um den Beutel – ein Zeichen für mikrobielle Aktivität. Der Höhepunkt ist erreicht, wenn der Blasenring beginnt zu verschwinden und aufzubrechen. Das fertige JMS sollte innerhalb von 12 Stunden verwendet werden, da die Mikroorganismen danach absterben.
Tipp: Wenn der Höhepunkt (Peak) verpasst wurde, kann JMS trotzdem noch verabreicht werden – denn es enthält weiterhin Nährstoffe, welche das Pflanzenwachstum fördern.
6. Der perfekte "Erntezeitpunkt"?
Der perfekte Zeitpunkt ist grundsätzlich leicht zu erkennen – wird aber vor allem von einem Faktor stark beeinflusst: der Temperatur.
Ein JMS, das bei 19 °C kultiviert wird, benötigt oft ca. 72 Stunden. Die Blasenbildung ist deutlich geringer als bei höheren Temperaturen. Ein JMS bei ca. 30 °C kann hingegen schon nach 24 Stunden fertig sein und sieht optisch völlig anders aus: Die Blasenbildung ist sehr stark und kann sich teilweise in richtigen Schaum verwandeln.
Der Höhepunkt ist erreicht, wenn die Blasenbildung aufhört und der Ring anfängt aufzubrechen. Ab diesem Zeitpunkt, hat man 12 Stunden Zeit, dass JMS auszubringen. Mit etwas Übung entwickelt man schnell ein Auge für das JMS und dem Erntezeitpunkt.
7. Anwendung von JMS
JMS eignet sich für:
- Erwerbs- und Hobbygärten
- Stadtparks, Äcker, Golf- und Fußballplätze
- Balkone sowie Indoor-Pflanzungen
- Substrate sowie Kompost
Besonders dort, wo das Bodenleben geschwächt oder kaum vorhanden ist. Aber auch in langjährig organisch gedüngten Böden kann JMS das Bodenleben weiter stärken und verbessern.
- Unbepflanzter Boden: pur oder 1:1 auftragen
- Bepflanzter Boden: 1:1 bis 1:200
- Spritzanwendung: pur oder bis 1:1000
- Landwirtschaftliche Flächen: 300-500 L pro Hektar (1:10 bis 1:1000)
Intervall: Bei jedem Gießvorgang oder alle 1 bis 2 Wochen. Bei mehrjährigen Kulturen sollte im Frühling, Sommer und Herbst jeweils einmal JMS verabreicht werden.
8. JMS verstehen lernen
In Südkorea wurde 1935 Cho Han Kyu geboren, der Gründer des Korean Natural Farming (KNF). Sein Sohn, Youngsang Cho, entwickelte diese Methoden weiter und gründete JADAM Organic Farming. Während KNF auf aerobe Mikroorganismen (angeblich „gute Mikroben“) setzt, fokussiert sich JADAM stärker auf anaerobe Mikroorganismen. Youngsang Cho betont, dass es schwierig bis nahezu unmöglich ist, klar zwischen „guten“ und „schlechten“ Mikroorganismen zu unterscheiden, und plädiert stattdessen für die Nutzung der natürlichen Biodiversität des Bodens.
👉 Erfahre in diesem Blog, was KNF ist.

Leonardo da Vinci sagte einst: „Wir wissen mehr über den Himmel über unseren Köpfen als über den Boden unter unseren Füßen.“ Die Bedeutung von Mikroorganismen für die Bodenfruchtbarkeit ist unbestritten – und obwohl nur etwa 0,5–2 % der Bodenmikroorganismen überhaupt bekannt sind, nimmt sich der Mensch dennoch das Recht, zwischen „guten“ und „schlechten“ Mikroorganismen unterscheiden zu wollen.
9. Tipps rund um JMS

- Fertiges JMS kann auch als Kickstarter für neue JMS, JLF und weitere Fermente dienen.
- Die Kohlenhydratquelle kann für eine bessere Bioverfügbarkeit vorab fein gemixt werden.
- Am besten bringt man JMS unmittelbar vor Regen aus, damit das Wasser die Mikroorganismen nach unten transportiert. Alternativ kann JMS auch über Tropfbewässerung eingebracht werden – idealerweise lässt man diese etwa 90 Minuten laufen, damit sich die Mikroben in entsprechender Tiefe ansiedeln können.
- Beim anlegen von (Hoch-)beeten kann JMS schon bei halb befüllten Beeten hinzugefügt werden (bspw. die Hälfte vom "Angießwasser") um passende Mikroben direkt einzubringen.
- Die enthaltenen Mikroorganismen sind nicht ausschließlich anaerob, sondern oft fakultativ. Das bedeutet, sie können sowohl in anaeroben als auch in aeroben Milieus leben und sich zwischen den Zonen anpassen. Dadurch ist JMS nicht nur für tiefere Bodenschichten spannend, sondern ebenso für sauerstoffreiche Zonen und lockere Pflanzsubstrate geeignet.
- An spezifische Kulturen angepasste Mikroorganismen können ebenfalls mit JMS gezüchtet werden. Dafür setzt man ein ganz normales JMS an und gibt zusätzlich die Pflanzenteile der gewünschten Kulturen hinein. Für ein Tomaten-JMS fügt man somit Tomaten hinzu. Für Hanf eben Hanf.
10. Fazit
JMS ist eine kostengünstige und effektive Methode, um den Boden zu beleben und die Pflanzenvitalität zu steigern. Probier es aus – und erlebe selbst, was ein wirklich lebendiger Boden bewirken kann.
11. FAQ
F: Wieso nutzt man Salz?
A: Mikroorganismen benötigen genau wie Menschen und Tiere Mineralien und Spurenelemente. Durch die Gabe von Meer- oder Steinsalz werden diese lückenlos versorgt und können sich viel besser vermehren.
F: Wieso kein Jodsalz?
A: Jodsalz enthält im Vergleich zu Meer- oder Steinsalz keine Mineralien, weshalb es sich nicht zur Kultivierung eignet. Meersalz dagegen enthält mehr als 80 Mineralien und ist sofort verfügbar.
F: Kann JMS während der Blütephase eingesetzt werden?
A: Ja, JMS kann während jeder Phase eingesetzt werden.
F: Wie riecht JMS?
A: Der Geruch von JMS lässt sich schwer in Worte fassen. JMS hat seinen eigenen Geruch. Nicht unangenehm oder stinkend, sondern eher etwas süßlich.
F: Wie viele Mikroorganismen hat JMS?
A: Man geht davon aus, dass JMS mehrere Milliarden Mikroorganismen besitzt. Allerdings ist dies von vielen Faktoren abhängig und lässt sich kaum richtig beurteilen.
F: Was ist gute Walderde?
A: Gute Walderde hat viele Gesichter, selbst wenn sie mit blosem Auge nicht gleich zu erkennen ist. Ein guter Indikator ist der Geruch. Riecht es wie gesunder Waldboden, enthält es eine Vielzahl von Mikroben.
F: Ich habe Probleme gute Walderde zu finden.
A: Dann versuch von so vielen verschiedenen Orten wie es nur möglich ist, immer ein klein wenig Erde mitzunehmen.